Berichte und Texte zum Engagement der
Marlis Kressner Stiftung
Die Kirche von Andisleben, Landkreis Sömmerda in Thüringen
Ein Juwel ist die kleine Kirche in Andisleben, und das darf man wörtlich verstehen:
Unter Thüringens Dorfkirchen findet sich kaum eine, deren Ausstattung von ähnlicher Opulenz ist. Der vormals romanische Bau mit seinem wuchtigen Chorturm von 1531 freut den Besucher, der den alten Kirchanger von Süden betritt, schon mit seiner zweiarmigen Laubentreppe, die von außen auf die Empore führt und dem Erdgeschossportal einen malerischen Rahmen gibt. Im Inneren aber überrascht das Kirchlein mit einem den ganzen Langhaussaal überspannenden Tonnengewölbe, das fünf großen farbigen Deckengemälden in einer Felderung von schwerem Stuck Platz bietet. Fast sieht es so aus, als habe man sich im protestantischen Thüringen für dieses aus den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts stammende Ensemble Inspiration aus dem benachbarten Bayern geholt, wo Deckenfresken und Stuck in dieser Zeit in schönster Blüte standen. Und tatsächlich ist der gerahmte und vegetabil auslaufende Bandelwerk-Stuck eine schöne ländliche Reminiszenz an die 20 Jahre zuvor in den süddeutschen Zentren dieser Kunst in Mode stehenden Formen. In die gleiche Richtung weisen die Figuren der Malerei mit ihren strudeligen Gewändern, den markanten Faltenschatten und den sprechenden Gesten. Das Getümmel der zahllosen Putten, aber auch Details wie die mit Schleifen gegürteten Engel und in Gips nachgebildeten Gehänge an den Rahmenprofilen wollen gesehen und genossen werden. Dass auch die theologische Belehrung nicht zu kurz kommt, dafür sorgen die Bildsujets der zentral von einem Wolkenthron herab agierenden Trinität mit den beiden Kirchenpatronen und die vier Evangelisten in den Gewölbezwickeln.
Die Marlis Kressner Stiftung hat dazu beigetragen, dass Malereien und Stuck 2026 gereinigt, gefestigt und die bereits verloren gegangenen Teile ergänzt werden konnten.





